Flagge raus: Marshals sorgen für Ordnung auf der Strecke

Flagge schwenken kann jeder – manchmal muss man auch einen Porsche anschieben. Für Racing 132 entstanden amerikanisch inspirierte Renn-Marshalls in 1:32: mit grünen, gelben und blauen Flaggen sowie zwei Figuren für die Fahrzeugbergung.

Was brauche ich für den Workflow?

Wer eine Rennstrecke glaubwürdig aussehen lassen will, braucht nicht nur Autos, Boxenmauer und Leitplanken. Irgendwann kommt das Personal ins Spiel. Auf Racing 132 fehlten deshalb noch die Leute, die Gelb zeigen, wenn es irgendwo kracht, Blau, wenn der schnellere Verkehr anrückt – und notfalls auch einen gestrandeten Porsche wieder in Bewegung bringen.

Als Vorbild dienten mir Streckenposten, wie sie um das Jahr 2000 an amerikanischen Rennstrecken zu finden waren. Keine exakte Rekonstruktion eines bestimmten Rennens, sondern eine Gestaltung, die sich an der Atmosphäre des damaligen US-Motorsports orientiert. Sebring, Road Atlanta oder Laguna Seca liefern dafür reichlich Anschauungsmaterial.

Die Augen am Streckenrand

Im amerikanischen Motorsport werden Streckenposten häufig als „Corner Workers“ bezeichnet. Beim Sports Car Club of America, kurz SCCA, gehört ihre Tätigkeit zum Bereich „Flagging & Communications“. Sie beobachten ihren Streckenabschnitt, warnen die Fahrer vor Gefahren und melden Zwischenfälle an die Rennleitung. Entsprechend müssen die Posten so liegen, dass die Strecke gut einsehbar ist, die Signale für die Fahrer sichtbar bleiben und die Marshalls selbst möglichst geschützt arbeiten können.

Für Racing 132 bedeutete das zunächst: Figuren mit Flaggen. Allerdings wollte ich nicht einfach mehrfach denselben Menschen mit unterschiedlich gefärbtem Papier neben die Strecke stellen. Insgesamt entstanden deshalb verschiedene Posen – und später noch zwei Kollegen mit einer etwas handfesteren Aufgabe.

Grün, Gelb und Blau

Flaggen sind bis heute eine der unmittelbarsten Kommunikationsformen im Motorsport. Grün signalisiert freie Strecke beziehungsweise die Aufhebung einer vorherigen Gefahrenlage. Gelb warnt vor einer Gefahr; im betroffenen Bereich gelten besondere Vorsicht und ein Überholverbot. Blau weist einen Fahrer auf schnelleren Verkehr hin, der sich von hinten nähert. Je nach Rennserie und Reglement gibt es darüber hinaus unter anderem rote und schwarze Flaggen sowie Signale für Probleme mit der Fahrbahn und natürlich die karierte Flagge am Ende einer Session.

Für meine Streckenposten habe ich grüne, gelbe und blaue Flaggen angefertigt. Damit lassen sich unterschiedliche Situationen während des Rennbetriebs darstellen, ohne die Szene dauerhaft auf Rennabbruch oder Zieleinlauf festzulegen. Eine permanent geschwenkte Zielflagge wäre ohnehin etwas unpraktisch. Dann wäre auf Racing 132 schließlich nach jeder Runde Feierabend.

Drei Posen statt Marshall-Klonarmee

Für die Figuren habe ich zunächst mit ChatGPT drei unterschiedliche Bildvorlagen erstellt. Jede Figur bekam eine andere Körperhaltung, damit später nicht eine Gruppe identischer Marshalls am Streckenrand steht. Aus den Vorlagen entstanden mit Meshy.ai die 3D-Modelle, die ich anschließend exportiert und in Bambu Studio auf etwa 58 Millimeter Höhe skaliert habe. Damit passen sie zum Maßstab 1:32.

Gedruckt wurde auf meinem Bambu Lab A1 mit weißem PLA, einer 0,4-mm-Düse und 0,2 Millimeter Schichthöhe. Anschließend mussten die Supports entfernt werden. Gerade Hände und Arme verlangen dabei etwas Aufmerksamkeit – schließlich wäre es ungünstig, wenn der Marshall schon vor Dienstantritt nicht mehr in der Lage wäre, seine Flagge festzuhalten.

Barbarian Flesh als praktische Abkürzung

Grundiert habe ich die Figuren mit Barbarian Flesh von The Army Painter. Damit bekommen Gesicht und Hände gleich einen brauchbaren Hautton und ich spare mir einen zusätzlichen Arbeitsschritt. Danach musste vor allem noch die Kleidung mit Acrylfarben und einem feinen Pinsel gestaltet werden.

Bei 58 Millimeter hohen Figuren geht es mir dabei nicht darum, jedes Detail bis zur letzten Falte auszuarbeiten. Entscheidend sind klare Kontraste und eine Bemalung, die aus normalem Betrachtungsabstand funktioniert. Schließlich stehen die Marshalls später an der Strecke und nicht in einer Vitrine unter der Lupe.

Die Flagge kommt vom Zahnstocher

Die Flaggen selbst habe ich nicht gedruckt. Als Flaggenstock dient ein Zahnstocher, die Fahne besteht aus Papier. Das ist dünn, stabil und bringt ganz nebenbei einen ziemlich überzeugenden Effekt mit sich: Durch Farbe und Klebstoff wird das Papier leicht feucht und beginnt sich etwas zu wellen.

Genau das ist hier erwünscht. Eine geschwenkte Flagge hängt schließlich nicht vollkommen glatt am Stock. Die kleinen Wellen lassen sie aussehen, als wäre sie gerade in Bewegung. Manchmal ist ein Zahnstocher eben die bessere technische Lösung als ein weiterer Abend am 3D-Drucker.

Wenn Flaggen allein nicht mehr reichen

Drei Marshalls waren mir schließlich noch nicht genug. Denn Streckenposten stehen im realen Motorsport nicht nur mit Flaggen herum. Wenn ein Fahrzeug an einer ungünstigen Stelle liegen bleibt und eine Bergung unter sicheren Bedingungen möglich ist, wird auch angepackt.

Deshalb habe ich zwei weitere Figuren speziell dafür entworfen. Beide stehen leicht nach vorne gebeugt und haben die Arme ausgestreckt. Höhe, Haltung und Position der Hände sind so gewählt, dass sie an den Heckspoiler eines Porsche GT3 greifen können. Stellt man beide Figuren hinter das Fahrzeug, entsteht sofort die Szene eines liegen gebliebenen Rennwagens, der von den Marshalls aus dem Gefahrenbereich geschoben wird.

Gerade diese beiden Figuren zeigen, warum ich meine Streckenfiguren inzwischen gern selbst entwerfe. Eine stehende Person findet man als fertiges Modell problemlos. Eine Figur, deren Hände in 1:32 ziemlich genau dort landen sollen, wo der Heckflügel eines Carrera-Porsche sitzt, ist schon eine speziellere Bestellung.

Personal für den nächsten Zwischenfall

Mit den verschiedenen Posen und den grünen, gelben und blauen Flaggen lassen sich nun mehrere Rennsituationen darstellen. Noch interessanter finde ich allerdings die beiden schiebenden Marshalls. Zusammen mit einem Porsche entsteht eine Szene, die man ohne weitere Erklärung versteht und die sich jederzeit verändern lässt.

Genau solche Details sollen Racing 132 ausmachen. Die Rennwagen bleiben die Hauptdarsteller. Aber sobald am Streckenrand jemand Gelb zeigt und zwei Marshalls einen Porsche am Heckflügel aus der Gefahrenzone bugsieren, sieht die Sache plötzlich verdächtig nach Rennwochenende aus.

Technik & Material

Maßstab: 1:32 · Figurenhöhe: ca. 58 mm · Vorlagen: ChatGPT · 3D-Modellierung: Meshy.ai · Bearbeitung: Bambu Studio · Drucker: Bambu Lab A1 · Material: weißes PLA · Düse: 0,4 mm · Schichthöhe: 0,2 mm · Grundierung: The Army Painter Barbarian Flesh · Bemalung: Acrylfarben · Flaggen: grünes, gelbes und blaues Papier · Flaggenstock: Zahnstocher

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